Warum Kapitäne auf den Balearen nicht auf Posidonia-Seegras ankern, wie das Posidonia-Dekret und die Bojenfelder funktionieren und was das für einen Tag an Bord bedeutet.
Beobachten Sie einmal, wie ein Kapitän in eine Bucht auf Mallorca einläuft: Oft zieht die Yacht erst langsam ihre Kreise, bevor der Anker fällt. Der Grund ist meist eine Pflanze. Posidonia oceanica (Neptungras), ein Seegras, das nur im Mittelmeer vorkommt, bedeckt große Flächen des flachen Meeresbodens rund um die Balearen, und das Ankern darauf ist grundsätzlich verboten. Wer Posidonia und die Ankerregeln auf Mallorca kennt, versteht vieles am Tagesablauf einer gut geführten Yachtcharter: wo die Yacht hält, warum ein Kapitän eine Bucht der anderen vorzieht und warum das Wasser in den Calas so klar bleibt. Dieser Leitfaden erklärt, was es mit der Pflanze auf sich hat, was die Regeln der Balearen vorschreiben, wie Bojen und die Genehmigungen für Cabrera funktionieren und was sich dadurch für Sie als Gast an Bord ändert.
Warum Posidonia so wichtig ist
Posidonia ist keine Alge. Sie ist eine echte Blütenpflanze, die blüht und Früchte trägt und in dichten Wiesen wächst, die oft als Wälder unter Wasser beschrieben werden. In ihren eigenen Hinweisen fasst die Balearenregierung die Rolle der Pflanze so zusammen: Die Wiesen binden CO2 und produzieren Sauerstoff, bieten vielen Meeresarten Nahrung, Schutz und Raum zur Fortpflanzung, schützen Sandküsten vor Erosion und liefern einen Großteil des Sediments, das schließlich als Sand an den Stränden der Inseln landet. Auch die Streifen aus getrockneten Blättern, die sich manchmal am Strand ansammeln, stammen aus diesen Wiesen.
Zudem wächst die Pflanze extrem langsam. Ihre kriechenden Rhizome breiten sich nur wenige Zentimeter pro Jahr aus, sodass sich eine von Anker und Kette aufgerissene Wiese nur sehr langsam erholt. Deshalb sind Posidonia-Wiesen nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU als prioritärer Lebensraum eingestuft, und deshalb gehören die Wiesen zwischen Ibiza und Formentera zur UNESCO-Welterbestätte „Ibiza, Biodiversität und Kultur“, die 1999 in die Welterbeliste aufgenommen wurde.
Das Posidonia-Dekret der Balearen
Maßgeblich ist auf den Balearen das Dekret 25/2018 vom 27. Juli zur Erhaltung von Posidonia oceanica, das am folgenden Tag im Amtsblatt der Balearen (BOIB) veröffentlicht wurde. Seine Kernregel ist eindeutig: Das Ankern auf Posidonia ist grundsätzlich verboten. Über einer Wiese darf ein Boot nur an einem genehmigten, umweltschonenden System festmachen, also an einer Einzelboje oder in einem regulierten Bojenfeld. Selbst wenn der Anker auf Sand fällt, dürfen Kette und übriges Ankergeschirr die nahe Wiese nicht erreichen.
In Wiesen, die das Dekret als besonders wertvoll ausweist, dürfen überhaupt keine Bojen installiert werden. Die Überwachung obliegt der Balearenregierung und ihren Umweltschutzbeamten, und Verstöße gelten nach spanischem und balearischem Naturschutzrecht als Verwaltungsverstöße, wobei sich die Strafen insbesondere nach der Größe der betroffenen Wiesenfläche richten. Die Ausnahmen sind eng gefasst: höhere Gewalt oder Gefahr für Menschenleben auf See.
Bojenfelder rund um Mallorca und darüber hinaus
In mehreren stark frequentierten Gebieten hat die Regierung regulierte Bojenfelder eingerichtet, in denen eine Yacht an einer der installierten Bojen festmachen muss, statt zu ankern. Zwei davon liegen rund um Mallorca: Sa Dragonera und Sant Elm vor der Westspitze sowie der Küstenabschnitt von Cap Enderrocat bis Cap Blanc einschließlich Cala Blava, südöstlich von Palma. Die offizielle Liste umfasst außerdem Ses Salines zwischen Ibiza und Formentera einschließlich s'Espalmador sowie zwei Gebiete auf Menorca: die Bucht von Fornells an der Nordküste und die Illa d'en Colom in S'Albufera des Grau im Nordosten.
Die Posidonia-Website der Regierung verlinkt auf ein Online-Buchungssystem, sodass sich eine Boje oft im Voraus reservieren lässt. Das Dekret schreibt vor, dass Bojen außerhalb der Saison eingeholt werden, wenn sie nicht gebraucht werden; die Felder sind daher vor allem während der Bootssaison in Betrieb. Wo der Managementplan eines Schutzgebiets strenger ist, gilt dieser Plan. Deshalb prüft ein Kapitän neben dem Dekret auch die örtlichen Regelungen.
Cabrera: Bojen nur mit Genehmigung
Der Nationalpark Cabrera südlich von Mallorca hat ein eigenes System. Für das Befahren und Festmachen ist eine vorherige Genehmigung erforderlich, die online beantragt wird, und Yachten machen an reservierten Bojen des Parks fest. Eine einmal erteilte Navigationsgenehmigung gilt zwölf Monate. Die Bojen sind farblich nach Bootslänge gekennzeichnet und für Boote bis 35 Meter ausgelegt, während längere Yachten nur eine Sondergenehmigung erhalten können, die ausnahmsweise und nach vorheriger Begründung erteilt wird. Die Zahl der Boote ist begrenzt: Der Park lässt täglich bis zu fünfzig Boote festmachen, und der Aufenthalt ist im Juli und August auf zwei Nächte, im restlichen Jahr auf sieben Nächte beschränkt. Im Sommer ist die Nachfrage am höchsten, daher sollte die Genehmigung möglichst frühzeitig eingeholt werden. Unser Leitfaden zu Cabrera mit der Yacht beschreibt die Planung ausführlicher.
So wählt Ihr Kapitän den Ankerplatz
Die Wahl des Ankerplatzes gehört zu den stillen Künsten eines guten Charterkapitäns und folgt einer klaren Reihenfolge.
- Zuerst das Wetter. Wind und Schwell bestimmen, welche Küste Schutz bietet und welche Buchten damit in die engere Wahl kommen.
- Die offizielle Karte. Die Balearenregierung veröffentlicht ihre Posidonia-Kartografie im Kartenportal IDEIB, und ihre Posidonia-Website führt Apps wie Posidonia Maps und Donia auf.
- Ein Blick über die Bordwand. In klarem Wasser erscheint Sand hell türkis, Posidonia dagegen dunkel, sodass der Kapitän die Karte mit eigenen Augen abgleicht.
- Platz zum Schwojen. Eine Yacht dreht sich mit dem Wind, daher muss die Sandfläche so groß sein, dass die Kette nie über die Wiese streift.
- Eine Boje, wo es eine gibt, nach Möglichkeit im Voraus gebucht.
- Bei Bedarf eine bessere Bucht. Ist eine Bucht zu voll, um sauber zu ankern, fährt der Kapitän lieber weiter, statt sich hineinzuzwängen.
Auch die Größe der Yacht spielt eine Rolle. Eine große Motoryacht oder Superyacht braucht eine größere Sandfläche und mehr Wassertiefe, ankert daher oft weiter draußen in einer weitläufigeren Bucht und bringt die Gäste mit dem Beiboot (Tender) an Land. Ein Katamaran kann dank seines geringen Tiefgangs näher am Ufer über Sand ankern, stets dort, wo die Regeln es zulassen.
Was das für Ihren Tag an Bord bedeutet
Für Sie als Gast ändern die Regeln erstaunlich wenig. Vielleicht fallen Ihnen ein paar Minuten langsamer Kreise auf, die Wahl zwischen zwei benachbarten Buchten oder eine kurze Fahrt mit dem Beiboot zum Strand. Dafür schwimmen Sie in Wasser, zu dessen Klarheit gesunde Wiesen beitragen. Ein Schnorchelgang am Rand einer Wiese, wo heller Sand auf das Seegras trifft, ist oft das lohnendste Badeerlebnis des Tages: Zwischen den Blättern suchen kleine Fische Schutz.
Liegt Ihnen eine bestimmte Bucht am Herzen, etwa für eine Feier oder weil es Ihr Lieblingsstrand ist, sagen Sie es uns bei der Planung Ihrer Charter. Im Hochsommer schlägt der Kapitän vielleicht vor, früher anzukommen oder eine Alternative bereitzuhalten, und für Cabrera muss die Genehmigung stets vor dem Ausflugstag vorliegen.
Jede Charter bei Serman Yacht Charter erfolgt mit einem professionellen Kapitän, ob Sie sich für eine Superyacht, eine Motoryacht, eine Sportyacht oder einen Segelkatamaran entscheiden. Meeresboden, Wetter und örtliche Regeln zu lesen gehört zum Handwerk, sodass Sie das Ankern getrost der Crew überlassen und einfach die Bucht genießen können. Um mit der Planung zu beginnen, schreiben Sie uns einfach per WhatsApp, E-Mail oder über das Kontaktformular.




